Kräuterspirale

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Eine Kräuterspirale ist ein spiralförmig angelegtes Beet auf einem runden Hügel. So ergibt sich ein zur Mitte hin ansteigende Spirale. Es wird verwendet um möglichst vielen verschiedenen Kräutern auf engstem Raum optimale Anbaubedingungen zu ermöglichen. Hierdurch soll sich der Pflegeaufwand bei der Kräuteraufzucht reduzieren.

Theorie

Durch die Hügelform sollen sich mikroklimatische Bedingungen ergeben. So gibt es an der Nordseite des Hügels eine Halbschattige Zone, während an der Südseite sonnen-liebende Kräuter angebaut werden können. Am Fuß der Spirale soll sich ablaufendes Regenwasser sammeln und damit optimale Bedingungen für feuchtigkeits-liebende Pflanzen wie z.B. Minze herstellen. Auf der Spitze hingegen ergibt sich eine gut drainierte Trockenzone.

Praxis

In der Praxis werden Kräuterspiralen meist deutlich zu klein angelegt, um mikroklimatische Bedingungen zu erzeugen. Häufig sieht man Durchmesser und Hügelhöhen von unter einem Meter. Für entsprechende Effekte benötigt es aber deutlich größere Ausmaße; ich empfehle mindestens 3m Durchmesser und eine Höhe von über 1,50. Dies ist schon alleine nötig um auch bei hohem Sonnenstand im Sommer eine Abschattung der Nordseite zu erzielen. Außerdem wird für eine Auswahl an Kräutern auch entsprechende Fläche benötigt. Bei 3m Durchmesser ergibt sich eine Fläche von ca. 7qm, von der noch Mauerkanten abgezogen werden müssen.

mikroklimatische Zonen

Es ist durchaus richtig, dass Kräuter teils deutlich unterschiedliche Ansprüche an ihre Standorte haben. Diese in einem einzelnen, relativ kleinen Beet nachbilden zu wollen, gestaltet sich aber in der Praxis schwierig.

Wasser

Eine gute Drainage von trockenheitsliebenden Pflanzen ist in der Spirale durchaus erreichbar. Dazu werden aber die selben Methoden angewendet, die auch meist im Beet zum Erfolg führen: Zuschlagsstoffe für die Erde wie Kies und Sand. Hingegen können Pflanzen in der Kräuterspirale nicht vor zu starkem Regen geschützt werden, ohne die anderen Pflanzen zu beeinträchtigen. Eine teilweise Überdachung, wie sie z.B. für Basilikum sinnvoll ist, ist hier nicht einfach umsetzbar.

Auch der Effekt des abfließenden Wassers auf die Feuchtzone am Fuß der Spirale wird meist überschätzt. So kann man in Gartenzeitschriften sogar Vorschläge finden, bei denen am Fuß der Spirale ein Teich angelegt wird, der sich aus dem abfließenden Wasser speist. In der Praxis ist aber nur ein geringer Effekt zu spüren. Gerade bei Pflanzen mit hohem Wasserbedarf muss in Trockenphasen mit der Notwenigkeit von häufigem Gießen gerechnet werden.

Licht

Durch die Hügelform soll eine Maximierung der Sonneneinstrahlung auf der Südseite bei gleichzeitiger Schattierung der Nordseite erreicht werden. Außerdem sollen die verwendeten Steine die Wärme speichern und so die Bedingungen für mediterrane Kräuter verbessern.

In der Praxis ist die Abschattung für schattenliebende Kräuter meist zu gering. Wenn die Sonne im Hochsommer sehr hoch am Himmel steht, verursacht der Hügel kaum Schattenwurf. Zudem sind durch den dichten Besatz mit Kräutern nur schlecht andere Schattierungsmöglichkeiten wie z.B. Sträucher oder Bäume möglich.

Anlage

Nicht unterschätzt werden sollte der Aufwand bei der Anlage des Beetes. Wird die Spirale in ausreichender Größe angelegt, müssen nicht unerhebliche Mengen an Erde und Steinen bewegt werden. Meist sind die Materialien auch nicht im eigenen Garten verfügbar und müssen extern herangeschafft werden.

Um einen stabilen Hügel zu erreichen und der Gefahr von Erosion und Abrutschen zu verhindern, muss der Grundaufbau geeignet angelegt werden. Hier sollte möglichst ein Profi hinzugezogen werden.

Im Handel kursieren fertige Sets für die Anlage von Kräuterspiralen. Diese sind meist viel zu klein ausgelegt und sehen im Nachhinein nur selten natürlich aus.

Nur selten bedacht wird der Aufwand für einen eventuellen Rückbau. Wird z.B. wieder eine größere Rasenfläche gewünscht und die Spirale ist im Weg, muss sie wieder mit erheblichem Aufwand abgebaut und die verwendeten Materialien entsorgt werden. Schon allein deswegen ist ein tiefer gehender baulicher Eingriff in den Garten immer gut zu überlegen.

Pflanzen

Häufig wird die Kräuterspirale für die Bepflanzung in unterschiedliche Zonen unterteilt. Diese Unterteilung wird in verschiedenen Quellen jedoch nicht einheitlich vorgenommen.

Typischerweise werden Kräuter zur Verwendung in der Küche angebaut. Auf der sonnigen trockenen Spitze findet sich so der Thymian, aber auch andere mediterrane Kräuter wie Rosmarin. oder Oregano. In der "Feuchtzone" am Fuß finden sich meist Minze und Zitronenmelisse. Und dazwischen werden nach verschiedenen Schemata typische Gartenkräuter wie Petersilie, Schnittlauch, Liebstöckel oder Dill verteilt.

Für eine einfache Pflege würde es sich anbieten möglichst wenige Arten mit möglichst ähnlichen Ansprüchen anzubauen. Der Gartenwiki-Vorschlag ist eine Kräuterspirale mit ausschließlich Kalk- und Wärme liebenden, mehrjährigen Pflanzen. Hier können verschiedene Thymiane, Lavendel, aber auch weniger bekannte Gewächse wie Berg-Bohnenkraut (Satureja montana), Currykraut (Helichrysum italicum), Ysop (Hyssopus officinalis) und Salbei sehr gut kultiviert werden.

Problematik

In der Kräuterspirale werden auf meist engem Raum Pflanzen mit unterschiedlichen Ansprüchen aber auch Wuchsverhalten angepflanzt. Es gibt einjährige, mehrjährige und ausdauernde Pfanzen. Manche versamen sich stark, manche gar nicht. Zudem erntet der Mensch unter Umständen noch ungleichmäßig.

All dies führt dazu, dass sich normalerweise kein Gleichgewicht einstellt. Dies führt zu enormen Pflegeaufwand, wenn ein Status quo gehalten werden soll. In den meisten fällen jedoch wird das Beet jedoch schon nach wenigen Jahren von zwei oder drei der ausbreitungsstarken Arten eingenommen. Häufig sieht man Kräuterspiralen, die von Minze und Oregano vollkommen überwuchert sind.

Fazit

Die Kräuterspirale ist vor allem ein interessantes Gedankenexperiment, dessen Kosten-Nutzen-Rechnung in der Praxis jedoch leider meist nicht so aufgeht, wie sich der Gärtner das vorher vorstellt.

Die Anlage einer Kräuterspirale kann daher nur erfahrenen Kräutergärtnern empfohlen werden, die sich genauestens mit den Wachstumsbedingungen ihrer Kräuter auskennen. Für Anfänger gibt es deutlich bessere alternativen.

Der Erfolg der Kräuterspiralen ergibt sich vor allem aus übertrieben positiven und praxisfernen Berichten in Gartenzeitungen und den hohen Gewinnspannen für die anlegenden Garten-Landschafbaubetriebe.

Wer trotzdem aus optischen Gründen das Design der Spirale verwenden möchte, dem sei geraten Fotos von alten, gut eingewachsenen, funktionierenden Kräuterspiralen zu suchen. Aus gutem Grund werden fast nur Bilder von frisch angelegten Spiralen verbreitet.

Alternativen

Es gibt eine Reihe guter Alternativen für den Anbau von Kräutern im Garten.

Gerade für Anfänger bietet sich der Anbau in Töpfen und Kübeln an. Hier sind Bodenbedingungen und Klimabedingungen (durch einfaches Umstellen) sehr genau kontrollierbar. Auf diese Art kann man Erfahrungen sammeln, verschiedenes ausprobieren und schnelle Erfolge erzielen. Die allermeisten Kräuter sind sehr gut für den Anbau in Gefäßen geeignet.

Im normalen Haus und Gemüsegarten spricht nichts gegen einen Anbau von Kräutern im normalen Gemüsebeet. In fast allen Gärten existieren Beete mit unterschiedlichen Boden- und Lichtgegebenheiten. Durch die richtige Auswahl können so verschiedene Kräuter gut angebaut werden, ohne größere Eingriffe in den Garten vornehmen zu müssen.

Für den Profi und Gartendesigner kann es eine sinnvolle alternative sein an einem bestehenden Hügel oder Hang ein Stufenbeet anzulegen. Auch sogenannter Kraterbeete sind gut geeignet. Nicht zuletzt wäre ein Halbmond förmiger Hügel in Art eines Amphitheaters besser für Südkräuter geeignet, als eine Spirale.

Weblinks

Angebote zu Kräuterspiralen

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