Fachrichtungen im Gartenbau

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Die Berufe im Gartenbau werden traditionell in 7 Fachrichtungen unterteilt, welche den Beruf in seine verschiedenen praktischen Ausbildungen unterteilen. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Theorie und Praxis unterscheiden sich dabei zum Teil erheblich zwischen den unterschiedlichen Fachrichtungen.

Die sieben Fachrichtungen im Gartenbau

Die sieben Richtungen, in die sich ein Gärtner entwickeln kann, lauten

  • Baumschule
  • Friedhofsgärtnerei
  • GaLaBau
  • Gemüsebau
  • Obstbau
  • Staudengärtnerei
  • Zierpflanzenbau

Am Anfang seiner Ausbildung muss der angehende Gärtner sich für eine dieser Fachrichtungen entscheiden. Dabei muss der Ausbildungsbetrieb zur Fachrichtung passen. Die meisten Betriebe sind auf eine oder wenige Fachrichtungen spezialisiert (z.B. "Staudengärtnerei").

Baumschule

Baumschuler vermehren und kultivieren Gehölze wie Bäume und Sträucher. Eine Baumschule ist ein Produktionsbetrieb. Hier werden Pflanzen erzeugt die für den Verkauf bestimmt sind, während die Pflege ausgewachsener Bäume meist von anderen Gärtnern übernommen wird.

Als Produktionsbetrieb werden Baumschulen auf Stückzahlen und gute Flächenausnutzung ausgelegt. Häufig werden sehr große Mengen an Bäumen in Containerkulturen, heißt in großen Plastik-Blumentöpfen gezogen. Auch Freiflächen sind auf maximale Produktion ausgelegt und haben nichts mit idyllischen Parklandschaften gemeinsam.

Der korrekte Begriff für einen Gärtner in der Fachrichtung Baumschule lautet "Baumschuler". Umgangsspachlich wird teilweise der Begriff "Baumschüler" verwendet. Der Begriff beruht jedoch auf dem Verb schulen im Sinne von ausbilden, abrichten. Der Schüler ist in diesem Fall der Baum. Da der Begriff Baumschüler jedoch auch die Bedeutung "wenig gebildeter Mensch hat", wird diese Bezeichnung teilweise von Gärtnern anderer Fachrichtungen verwendet, um ihre Kollegen zu necken.

Friedhofsgärtnerei

Friedhofsgärtner bepflanzen und pflegen Gräber auf Friedhöfen. Üblicherweise werden Dauerverträge abgeschlossen, so dass der Friedhofsgärtner die betreuten Gräber regelmäßig pflegt und zum Beispiel zu bestimmten Feiertagen frisch bepflanzt. Eine weitere Aufgabe ist die Gestaltung von Gräbern bei der die Farbgestaltung und die Blühfolge entscheidende Rollen spielen.

Teilweise ist ein wichtiger Erwerbszweig der Friedhofsgärtner auch die Produktion von Gestecken und Kränzen, bis hin zu Adventskränzen.

Ein Zierpflanzengeschäft in der Nähe eines Friedhofs wird zwar oft "Friedhofsgärtnerei" genannt, muss aber nicht zwingend von einem Friedhofsgärtner betrieben werden. Wenn es um den reinen Verkauf ohne Grabpflege geht handelt es sich teils um Zierpflanzengärtner.

Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau)

Landschaftsgärtner legen häufig ganze Anlagen an. Ein Beispiel können hier Supermarkt-Parkplätze sein. Dabei werden Erdarbeiten durchgeführt, Drainage gelegt, die Fläche wird gepflastert und Beete als Trenner angelegt. Die eigentliche Arbeit mit Pflanzen gerät dabei oft zur Nebensache. Der Unterschied zum Bauarbeiter ist bei der Anlage von Lärmschutzwänden, Mauern, Treppen und Wegen für den Laien oft kaum zu erkennen. Von anderen Gärtnern werden sie daher auch scherzhaft "Betongärtner" genannt.

Eine weitere wichtige Aufgabe des GaLaBau ist die Pflege von Flächen und Grünstreifen. So wird das öffentliche Grün meist von GaLaBauern gepflegt. Dazu gehört das Rasenmähen aber auch der Rückschnitt von Gehölzen und Hecken.

Auch wenn die korrekte Bezeichnung Garten- und Landschaftsbau ist, wird umgangssprachlich eigentlich nur abgekürzt vom GaLaBau geredet. Die Vermutung liegt nahe, dass der Fachbegriff einfach zu sperrig ist.

Gemüsebau

Gemüsegärtner ziehen wie der Name schon sagt Gemüse. Die Grenze zum klassischen Bauern ist hier teils fließend. In der Praxis sind Gemüsegärtnereien meist Großbetriebe und Hochtechnisiert sowie spezialisiert. Es kann zum Beispiel sein, dass ein Gemüsegärtner in seinem ganzen Berufsleben nur mit Tomaten in Hektar-großen Gewächshäusern arbeitet und niemals andere Gemüsesorten oder Freiflächen betreut. In anderen Betrieben werden ausschließlich Salat-Jungpflanzen aus Samen gezogen und dann nach kürzester Zeit weiterverkauft. Computergestütze Klimasteuerung, automatische Bewässerung und Düngung sowie die Begasung mit CO2 sind übliche Techniken im Gemüsebau.

Obstbau

Gärtnerin im Obstbau produzieren klassisches Obst wie Äpfel, Birnen und Kirschen, aber auch Beerenobst wie Erdbeeren oder Brombeeren.

Staudengärtnerei

Staudengärtner produzieren Staudenpflanzen für den Verkauf. Staudengärtnereien gehören zu den Produktionsbetrieben und verkaufen ihre Produkte an Großhändler, GaLaBau-Betriebe, Baumärkte und Pflanzenmärkte. Nur Kleinbetriebe haben noch einen Direktverkauf ab Hof oder besuchen Pflanzenmärkte.

Staudengärtnerein zeichnen sich oft durch eine, im Vergleich zu anderen Produktionsgärtnereien, sehr hohe Anzahl an unterschiedlichen Pflanzen aus. Hunderte Arten und Sorten sind in einer einzigen Gärtnerei keine Seltenheit. Auch gibt es hier noch Betriebe die von der Vermehrung bis zum Endverkauf die Pflanze großziehen, während ansonsten meist die Spezialisierung auf einzelne Arbeitsschritte schon weiter fortgeschritten ist.

Die Freiflächen in Staudengärtnereien sind meist von Stellflächen geprägt, die aus einer verdichteten Sandschicht besteht und mit sogenanntem Bändchengewebe, einer speziellen Plastikfolie abgedeckt ist. Auf diesen Flächen stehen tausende von Pflanzen in Plastiktöpfen dicht an dicht. Auch Gewächshäuser sind aus Staudengärtnereien nicht mehr wegzudenken, allerdings sind sie meist nicht so stark automatisiert wie im Gemüsebau und Zierpflanzenbau üblich.

Zierpflanzenbau

Auch der Zierpflanzenbau ist Produktionsgartenbau mit einem hohen Grad an Technisierung. Der Großteil der Zierplfanzenproduktion findet unter Glas, also in Gewächshäusern statt. Meist sind die Gärtnereien auf wenige Kulturen spezialisiert die in einer sehr genauen Kulturführung produziert werden. Das heißt die Klimasteuerung, Beleuchtungsintensität, Bewässerung und Düngung ist pro Pflanzenart exakt festgelegt. Nach einer festgelegten Zeit ist die Charge dann Verkaufsfertig und das Gewächshaus wir komplett mit neuen Jungpflanzen aufgefüllt.

Das es bei Zierpflanzen auf makellose Pflanzen mit perfekten Blüten ankommt, setzen viele Zierpflanzengärtner intensiv Chemie wie Herbizide und Pestizide ein.

Spezialisierungen

Verkaufsgärtner

Durch die zunehmende Zahl von Gartencentern wurden vermehrt Verkäufer mit gärtnerischer Fachkenntnis gesucht. Auf Grund der schlechten Bezahlung und körperlich belastenden Arbeit im Produktionsgartenbau nimmt inzwischen eine nicht unerhebliche Zahl der Gärtner nach ihrer Ausbildung einen Job als Verkäufer an. Um dem gerecht zu werden führten NRW und Bayern seit dem Jahr 2000 eine Spezialisierung als Verkaufsgärtner bzw. Pflanzenfachberater in die Berufsausbildung ein.

Außerdem gibt es für fertige Gärtner die Möglichkeit einen Lehrgang zum Geprüften Kundenberater Gartenbau zu belegen.

Bio-Gärtner

Auch Gärtnereien können durch Bio-Verbände wie z.B. Bioland zertifiziert werden. Die Spezialisierung als Bio-Gärtner ist allerdings nicht in der Gärtnerausbildung verankert. Bio-Gartenbau erfolgt daher ausschließlich auf die Initiative einzelner Inhaber von Gärtnereien.

Weblinks

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