Lebensbereiche

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Lebensbereiche sind ein System, um Wuchsorte von Pflanzen nach Ihren Bedingungen zu klassifizieren. Eingeteilt werden sie nach ihren natürlichen Grundlagen wie Klima, Boden, Licht und Gelände. Dies ermöglicht die Auswahl von für den Lebensbereich geeigneten Pflanzen. Außerdem können Sie zum Erkennen und Klassifizieren von Zonen im Garten und in Landschaften verwendet werden. Der übergeordnete Begriff Standort enthält hingegen noch weitere Faktoren.

Entwicklung der Lebensbereiche

Richard Hansen und Hermann Müssel entwickelten 1973 ein System um Gartenstauden auf ökologischen Grundlagen zu gliedern. Veröffentlicht wurde es 1981 im Buch Die Stauden und ihre Lebensbereiche in Gärten und Grünanlagen von R. Hansen und Friedrich Stahl. Weiterentwickelt wurde es Ende der 70er von Prof. Dr. Josef Sieber, wobei auch die Abkürzungen eingeführt wurden, die heute in Pflanzenbeschreibungen und auf Pflanzenetiketten üblich sind.

Lebensbereiche für Gehölze wurden 1996 von Prof. Dr. Peter Kiermeier definiert.

Verwendung in der Gartenpraxis

Es gibt im Gartendesign verschiedene Kriterien für die Auswahl von Pflanzen. Üblich sind z.B. die Auswahl nach Blütenfarbe oder nach Wuchshöhe. Mit der Zeit setzte sich aber auch die Erkenntnis durch, dass Pflanzen nur optimal aussehen, wenn Sie an einem für sie geeigneten Standort verwendet werden. Gleichzeitig verringert sich dadurch der Aufwand für die Pflege der Pflanze.

Die richtige Pflanze am richtigen Ort.

Im Gartendesign werden die Lebensbereiche verwendet um Pflanzen zu kombinieren und zu gruppieren, die ähnliche Bedürfnisse haben. So kann man z.B. ein Steingartenbeet anlegen und mit Pflanzen bevölkern, die sich dort wohl fühlen.

Andersherum kann man im bestehenden Gärten die Lebensbereiche erkennen und daraufhin geeignete Pflanzen wählen. In einem trockenen schattigen Beet unter einer Hecke werden naturgemäß ganz andere Pflanzen funktionieren, als in einem sonnigen feuchten Beet. Beim Kauf von Pflanzen ist die Angabe zum Lebensbereich daher eine wichtige Entscheidungshilfe.

Lebensbereiche von Stauden

Der Lebensbereich einer Pflanze definiert sich über eine Reihe von Faktoren, die die natürlichen Grundlagen bilden. Hierzu gehören:

  • Boden
  • Feuchtigkeit
  • Nährstoffe
  • Licht / Schatten
  • Geländemodellierung

Der Fachbegriff Standort ergänzt den Lebensbereich um natürliche Einflüsse, wie konkurrierenden Bewuchs.

Die Lebensbereiche für Stauden nach Hansen, Müssel & Sieber beschreiben dabei vor allem die Bedingungen bei natürlichen Fundorten von Pflanzen. Sie beziehen sich nicht direkt auf Verhältnisse im Garten und müssen daher in die Gartenpraxis erst übertragen werden. Häufig kommen Pflanzen in der Natur auch in mehr als einem Lebensbereich vor. Dies bedeutet für Gärtner eine größere Bandbreite an Verwendungsmöglichkeiten. Die sieben Kategorien der Lebensbereiche beschreiben dabei eher allgemeine Bedingungen und können durch weitere Angaben verfeinert und ergänzt werden. Dazu gehören oft Angaben zur Bodenfeuchtigkeit und zu den Lichtverhältnissen. Theoretisch sind hier weitere sehr genaue Angaben wie z.B. der PH-Wert des Bodens denkbar. In der Praxis wird aber häufig eher vereinfacht und verallgemeinert.

Die sieben Lebensbereiche

Gehölz

Gehölze sind Lebensbereiche die Umgangssprachlich meist als Wald oder Wäldchen bezeichnet werden. Es handelt sich um eine Gruppe von Bäumen bzw. Büschen, welche die dominierende Vegetation darstellen.

Gehölze sind meist geprägt von Schatten (sch), Halbschatten (hs) oder Lichtschatten. Der Boden ist humusreich. Bei Laubgehölzen ist der Boden mit einer dicken Schicht aus dem Laub der vorherigen Jahre bedeckt. Das Regenwasser prasselt nicht ungehindert auf den Boden. Ein guter Teil verdunstet auf den Blättern der Bäume, um die restliche Feuchte konkurrieren Stauden und Gehölze. Typische Feuchtezahlen sind 1, 2 und 3.

Das verwendete Kürzel ist G.

Gehölzrand

Der Gehölzrand bildet den Übergang zwischen Gehölz und Freifläche. Meist ist hier mehr Sonne verfügbar, als direkt im Gehölz. Trotzdem herrschen noch humoser bis lemig-humoser Boden und eine Laubschicht vor.

Eine Besonderheit ist der Tropfrand: Dort wo das Regenwasser über die Blätter abfließt und nach außen abtropft bildet sich ein streifen mit besonders guter Wasserversorgung (Feuchtezahlen 2 und 3).

Unterscheiden muss man zwischen nach Süden oder nach Norden ausgerichteten Gehölzrandändern. Im Süden ist der Lebensbereich sonnig (so) und warm aber auch tendenziell trockener. Im Norden ist er absonnig (abs) bis schattig (sch) und kühler. Feuchtigkeit hält sich hier meist länger.

Das verwendete Kürzel ist GR.

Freiflächen

Freiflächen sind offene Flächen mit normalem Boden. Das können Wiesen sein, aber auch Feuchtgebiete (FR-4). Nordamerikanische Präriepflanzen fallen genau so in diesen Lebensbereich, wie Steppen oder Heidepflanzen.

Freiflächen sind meist vollsonnig (so) oder absonnig (abs). Die Bodenfeuchte hängt vor allem von der Geländemodellierung ab und kann alle Feuchtezahlen abdecken (1-4). Häufig wechselt die Feuchtigkeit auch im Jahresverlauf.

Freiflächen können weiter eingeteilt werden nach nährstoffarm oder nährstoffreich, sowie nach kalkarm oder kalkreich. Verwendete Begriffe sind Steppenheide (trocken, kalkreich) und Heide (nährstoffarm, kalkarm).

Natürlich auf Freiflächen vorkommende Pflanzen eignen sich oft hervorragend für typische sonnige Gartenbeete. Ein schönes Beispiel ist hier der Sonnenhut (Echinacea pallida), der ursprünglich in nordamerikanischen Prärielandschaften vorkommt (Fr-so-2) und sich fest als Zierpflanze in unseren Gärten etabliert hat.

Das verwendete Kürzel ist Fr.

Steinanlagen

Steinanlagen fassen alle von Steinen geprägten Standorte zusammen. Dazu gehören Felssteppen (FS), Felsmatten (M) aber auch Steinfugen (SF) oder Mauerkronen (MK). Allen gemein sind eher arme Böden mit wenig Wurzelraum und sehr gute Drainage. Pflanzen aus diesem Lebensbereich vertragen praktisch nie Staunässe. Andererseits kommen sie sehr oft gut mit Trockenheit (1) zurecht. Felsmatten haben dabei sehr flachgründige Böden, während Felssteppen eher tiefgründigen Schotter aufweisen.

Je nach Grundgestein kann der PH-Wert sehr unterschiedlich sein. Hierauf sollte man achten, wenn die Pflanzen in der Natur vor allem auf Kalkstein wachsen, wie die meisten mediterranen Kräuter (z.B. Lavendel, Thymian, Rosmarin).

Da im Garten Steinanlagen meist für südländische Gewächse angelegt werden, werden sie oft in der vollen Sonne (so) platziert. In der Praxis gibt es aber durchaus auch halbschattige Mauerkronen.

Gewächse für die Lebensbereiche M, SF und MK eignen sich oft auch für Dachbegrünungen und die Bepflanzung von flachen Schalen.

Das verwendete Kürzel ist St.

Beet

Das Beet ist eigentlich kein natürlicher Lebensbereich. Da viele gezüchtete Pflanzen aber gar nicht in der Natur vorkommen, ist das Beet trotzdem eine notwendige Kategorie. Es ähnelt dabei sehr der Freifläche. Man geht bei Beeten aber von guter Nährstoffversorgung aus. Der Gärtner vermeidet übermäßige Konkurrenz und extreme Trockenheit. Der Boden in Beeten ist tiefgründig und gut gelockert. Das typische Beet hat frischen Boden (B-2) und ist vollsonnig (so).

Ein Beispiel für Beetstauden sind Delphinium Hybriden (Rittersporn) mit dem Lebensbereich B-so-2.

Das verwendete Kürzel ist B.

Wasserrand

Wasserrand stellt den Übergang zu Wasserzonen dar. Teichränder und Seeufer fallen in diesen Lebensbereich. Häufig gibt es einen Übergang von einer feuchten Freifläche (FR-3) in die Sumpfzone (WR-4) und dann weiter in die Röhrichtzone (WR-5).

Während der Wasserrand in der Natur ein ökologisch extrem aktiver Lebensbereich ist, in dem zum Beispiel wichtige Vogelbrutgebiete liegen, spielt er in Gärten meist eine untergeordnete Rolle.

Das verwendete Kürzel ist WR.

Wasser

Der Lebensbereich Wasser beschreibt Tümpel, Teiche und Seen, aber auch Wasserkübel, Springbrunnen und naturnahe Swimmingpools. Es geht dabei um Pflanzen, die hauptsächlich in- oder auf dem Wasser leben. Die Feuchtebereiche sind 6-8.

Da im Wasser der Boden eine untergeordnete Rolle spielt, geben hier die Feuchtezahlen genaueren Aufschluss über die Lebensbedingungen der Pflanzen, von untergetaucht bis schwimmend.

Das verwendete Kürzel ist W.

Alpinum

Das Alpinum ist ein besonderer Lebensbereich, der in den ursprünglichen sieben Lebensbereichen nach Müssel & Hansen nicht enthalten ist. Pflanzen aus dem Alpinum sind meist sehr konkurrenzschwach. Sie sind auf extreme Wechsel im Wetter und lange Winter eingestellt. Oft benötigen sie eine starke UV-Strahlung, die im Flachland so nicht geboten werden kann.

Daher ist das Alpinum für Botaniker sehr interessant. Die Pflanzen aus diesem Lebensbereich können aber nicht ohne weiteres in Gärten gezogen werden.

Das verwendete Kürzel ist A.

Von Gärtnern verwendete Bezeichnungen und Kürzel

In der gärtnerischen Praxis werden die Lebensbereiche häufig nach den Gegebenheiten in Gärten und der Verwendung im Garten klassifiziert, anstatt vom Naturstandort der Pflanze auszugehen. So können Kunden schnell und einfach sehen, wie sie die Pflanzen in ihrem Garten verwenden können. Eine gängige Einteilung sind z.B. folgende 15 Gruppen:

Kürzel Lebensbereich
G Gehölz
GR Gehölz-Rand
Fr Freifläche mit Wildstaudencharakter
B Beet
SH Freifläche mit Steppen-Heide-Charakter
H Freifläche mit Heide-Charakter
St Steinanlage
FS Fels-Steppe
M Matten
SF Stein-Fugen
MK Mauer-Kronen
A Alpinum
WR Wasser-Rand
W Wasserpflanzen
Kübel nicht winterharte Stauden

Feuchtezahlen

Die Feuchtezahl ergänzt den Wuchsort des Lebensbereichs um eine Angabe zum vorhandenen Wasser. Dies kann eine wichtige Ergänzung zur Einschätzung des Standorts sein. Ein Beet könnte sowohl sehr trocken oder auch feucht sein und damit für ganz unterschiedliche Pflanzen geeignet sein.

Bei der Kombination von Feuchtezahlen und Lebensbereichen ergeben Kombinationen keinen Sinn. Ein Wasserrand wird selten trocken sein. Es werden daher in der Praxis nicht alle theoretischen Möglichkeiten vorkommen.

Feuchtezahl Bedeutung Beschreibung
1 trockener Boden keine Feuchtigkeit im Boden erkennbar, Sandboden, Kies u.Ä.
2 frischer Boden mäßig feucht, beim Zusammendrücken tritt kein Wasser aus, normales Beet
3 feuchter Boden beim Zusammendrücken tritt Wasser aus
4 nasser Boden (Sumpf) Wasser läuft ohne Zusammendrücken aus dem Boden, Stauwasser nach Regen
5 flaches Wasser dauerhaft unter Wasser stehende Fläche
6 Schwimmblattpflanzen (verwurzelt) z.B. Seerosen, benötigte Wassertiefe beachten, Teich- und Seepflanzen
7 untergetauchte (submerse) Pflanzen Pflanzen wachsen zum großen Teil unter Wasser, Teich- und Seepflanzen
8 Schwimmpflanzen Pflanzen schwimmen auf dem Wasser ohne Wurzeln , Teich- und Seepflanzen, Wasserkübel

Lichtverhältnisse

Neben den Bodenverhältnissen ist das verfügbare Licht ein entscheidender Faktor für das Wohlergehen der Pflanzen. Denkt man bei Gartenbeeten auch meist an einen nach Süden ausgerichteten, vollsonnigen Standort, so gibt es doch in praktisch jedem Garten auch Orte im Schatten oder Halbschatten. Das können Plätze an Mauern oder unter Hecken sein. Aber auch die Gestaltung mit Gehölzen führt unweigerlich zu Schattenwurf.

Viele Gärtner empfinden schattige Standorte als "schwierig". Die klassischen Beetstauden gedeihen hier nicht wirklich. Eine Einteilung der Pflanzen nach den benötigten Lichtverhältnissen kann helfen, passende Gewächse für dieses Situationen auszuwählen. Andererseits sollte man auch keine typischen Waldbewohner in die volle Sonne verpflanzen. Dort werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit verbrennen.

Kürzel Bedeutung Beschreibung
so sonnig direkt besonnt, Mittagssonne
abs absonnig hell, nach oben offen, keine direkte Sonneneinstrahlung
z.B. Innenhof mit hellen Wänden
hs halbschattig wandernder Schatten, zeitweise im Vollschatten
sch schattig Vollschatten zu den meisten Tageszeiten

Zusätzlich gibt es noch den Begriff lichtschattig / Lichtschatten. Er bezeichnet Standorte mit Schattenflecken und Sonnenflecken, wie z.B. unter lichten Baumkronen. Dieser spezielle Begriff wird aber in der Praxis nur selten verwendet.

Geselligkeitsstufen

Über Geselligkeitsstufen kann zusätzlich angegeben werden, ob Pflanzen eher alleine (solitär) oder in Gruppen wachsen. Dies ist wichtig, um die Anzahl und Gruppierung von Pflanzen im Gartendesign berücksichtigen zu können. Dies kann zum einen optische Gründe haben, die in der Wirkung der Pflanze begründet sind. Es können aber auch praktische Gründe überwiegen, wenn Pflanzen in Gruppen oft krank werden oder sich schlecht entwickeln.

Zum Beispiel sollte Blau-Schwingel (Festuca cinerea) nicht großflächig gepflanzt werden. Durch seinen horstigen Wuchs schließen sich die Lücken zwischen den einzelnen Pflanzen selbst nach Jahren nicht und es bleiben "Löcher" im Beet.

Geselligkeitsstufe Beschreibung
I möglichst einzeln oder in kleinen Gruppen pflanzen (Solitärpflanzen)
II in kleinen Trupps von 3-10 Pflanzen gruppieren
III in größeren Gruppen von 10-20 Pflanzen verwenden
IV in großen Stückzahlen und meist flächig pflanzen
V vorwiegend großflächig verwenden

Lebensbereiche bei Gehölzen

Für Gehölze entwickelte Prof. Dr. Peter Kiermeier ein System von Lebensbereichen mit Kennziffern, dass er 1996 in seinem Buch Die Lebensbereiche der Gehölze veröffentlichte. Die 9 Hauptgruppen der Lebensbereiche für Bäume, Wälder und Gehölze nach Kiermeier lauten:

  1. Moor- und Sumpfgehölze
  2. Auen- und Ufergehölze
  3. Artenreiche Wälder und Gehölzgruppen
  4. Artenarme Wälder und Gehölzgruppen
  5. Heiden- und Dünengehölze
  6. Steppengehölze und Trockenwälder
  7. Gehölze kühlfeuchter Wälder
  8. Bergwälder und Sträucher
  9. Gehölze der Hecken und Strauchflächen

Weblinks

Angebote zur Lebensbereichen

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