Invasive Pflanzen

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Als invasive Pflanzen werden eingeschleppte Pflanzen bezeichnet, die sich stark ausbreiten und einheimische Pflanzenarten verdrängen. Der Fachbegriff ist Neophyt bzw. Neobiot.

Ökologische Probleme durch invasive Pflanzen

Gebietsfremde Pflanzen können relativ schnell zu einer Konkurrenzsituation im Ökosystem führen. Vor allem seltene einheimische Pflanzen, die sich auf eine sehr spezielle Nische spezialisiert haben, können hierdurch verdrängt werden.

So kommen unter Schutz stehende Lebensräume nicht den eigentlich zu schützenden einheimischen Arten zu Gute, sondern sie werden einfach durch invasive Pflanzen besetzt. Im schlimmsten Fall sterben so seltene Pflanzen aus.

Praktische Probleme durch invasive Arten

Einige invasive Neophyten sind giftig für Mensch und Vieh und können bei Rindern oder Pferden zum Tod führen. Das Gift des Schmalblättrige Greiskrauts kann sich sogar in der Milch anreichern und so Menschen gefährden. Es besteht bei ihm auch die Gefahr, dass Getreide verunreinigt wird.

Andere Pflanzen können bei Kontakt unangenehme Folgen haben, wie zum Beispiel Riesen-Bärenklau, der zu unangenehmen Verätzungen führt. Ambrosia kann starke Allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock auslösen.

Wann gilt eine Art als invasiv?

In der Praxis werden Pflanzen meist nur dann als invasiv eingestuft, wenn sie dem Menschen Probleme bereiten und sich schwer eindämmen lassen. Dies kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn Pflanzen giftig für Menschen oder Nutzvieh sind oder erwünschte bzw. geschützte Arten verdrängen. Auf jeden Fall müssen die Arten ohne Unterstützung des Menschen in der Natur überleben und sich fortpflanzen können (z.B. Winterfest sein) um als invasiv zu gelten. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit kann dabei sehr unterschiedlich sein. In manchen Fällen dauert es Jahrzehnte, bis eine Pflanzenart eine Bestandsgröße erreicht hat, die als problematisch angesehen wird. Andere Neophyten verbreiten sich rasend schnell.

Die Einschätzung der Schädlichkeit kann dabei weit auseinander gehen: Während Schmetterlingsflieder (Buddleja) in Deutschland noch als ökologisch wertvolle Nektarpflanze verkauft wird, wird er in der Schweiz schon als stark aussamende, verwildernde, invasive Art bekämpft.

Neophyten

In der Fachliteratur werden teilweise alle Pflanzen als Neophyt („neue Pflanzen“) eingestuft, die nach der Entdeckung Amerikas eingeführt wurden. Diese Einteilung wird zum einen verwendet, weil mit den Arten der neuen Welt eine globale Verschleppung durch den Menschen aufkam und zum anderen, weil es für ältere Vorfälle von Pflanzenimporten meist keine klaren Belege mehr gibt.

In der Praxis ist diese Einteilung allerdings wenig hilfreich. Viele Arten, die in Europa gefühlt einheimisch und vollkommen normal vorkommen, wurden in Wirklichkeit eingeführt. Dies gilt nicht nur für die aus Amerika eingeführte Kartoffel, sondern genauso auch für die schon in der Steinzeit aus dem östlichen Mittelmeergebiet eingeschleppte Kornblume (Cyanus segetum).

Als Gegenbegriff zu neophyt wird manchmal auch „endemisch“ verwendet, was eigentlich „in einem begrenzten Gebiet vorkommend“ heißt. Ist eine Art zum Beispiel endemisch in Bayern, dann kommt sie nur dort vor und ist vermutlich auch dort entstanden (z.B. Bayerische Löffelkraut - Cochlearia bavarica).

Der Unterschied zwischen von Menschen eingeführten Pflanzen (Neophyt / Neobiot) und invasiven Pflanzen liegt also vor allem in ihrer Wahrnehmung als Schädling.

Invasive Arten in Europa

Europa ist durch seine zentrale Lage und vielen Handelsverbindungen zur Heimat sehr vieler „Neupflanzen“ geworden. Anders als in Neuseeland oder Australien gibt es auch keine strikten Einfuhrkontrollen. Dadurch gibt es hier auch schon eine ganze Reihe invasive Problempflanzen mit weiter Verbreitung.

Springkraut

Springkraut

Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) aus Indien blüht rosa bis weiß und ist damit von den einheimischen gelbblühenden Arten zu unterscheiden. Ursprünglich wurde es als Zierpflanze und Bienenweide angepflanzt. Jedoch kann jede Pflanze 4.000 Samen bilden und bis zu 7 Meter weit streuen. Auch abgeknickte Pflanzen könne stark wieder austreiben. Dadurch bildet es schnell dichte und große Bestände aus.

Durch seinen dichten Wuchs unterdrückt das Springkraut andere Pflanzen am Standort. In Wäldern kann es sogar nachwachsende Bäume ersticken.

Es ist nur schwer zu bekämpfen. Die wichtigste Maßnahme ist dabei gezieltes Mähen im Juli, sobald die ersten Blüten auftreten.

Springkraut wird seit 2017 auf der Liste invasiver Pflanzen der EU geführt. Das heißt: Sie dürfen nicht in die EU eingeführt werden oder gehalten bzw. gezüchtet werden.

Goldrute

Goldrute

Die Goldrute (Solidago canadensis/gigantea) stammt aus Nordamerika und wird auch Kanadische Goldrute genannt. In Europa heimisch ist sie seit mindestens 1644 und breitet sich im problematischen Maß seit dem 19ten Jahrhundert aus. In Deutschland kommt sie inzwischen Flächendeckend vor.

Goldruten vermehren sich vor allem über Ausläufer und bilden so sehr dichte Bestände. Außerdem werden ihre Samen mit dem Wind verbreitet.

Das Problem bei Goldruten besteht vor allem durch die Verdrängung anderer Arten. Sie wird daher auch nur in besonderen Fällen in Schutzgebieten bekämpft.

Laut Bundesamt für Naturschutz ist „die großflächige Zurückdrängung der Goldruten weder gerechtfertigt noch realistisch erreichbar“. In der Schweiz und in Österreich steht sie hingegen auf der schwarzen Liste der zu bekämpfenden Arten.

Knöterich

Durchwachsener Knöterich

Eine Reihe eingeschleppter Knöterichgewächse gehören zu den Problempflanzen. Unter anderen der Durchwachsener Knöterich (Persicaria perfoliata bzw. Polygonum perfoliatum) und auch japanischer oder asiatischer Staudenknöterich (Fallopia japonica). Sie sind weltweit verbreitet und in England seit mindestens 1825 eingesiedelt. Ursprünglich wurde Knöterich auch als Viehfutter eingesetzt.

Knöterich breitet sich über starkes Wurzelwachstum aus und kann auch aus kleinsten Wurzelstücken wieder neu austreiben. Er verbreitet sich vor allem an Gewässern.

Durch seine starken Wurzeln kann er Mauerritzen aufbrechen und dadurch Uferbefestigungen zerstören. Außerdem verdrängt er einheimische Pflanzen an Wasserrändern.

Zur Bekämpfung muss der Knöterich bis zu 8-Mal im Jahr gemäht werden, was die Pflanzen schwächt, aber nicht beseitigt. Alle Pflanzenteile müssen verbrannt werden. Wurzeln können aus 3 Meter tiefe neu austreiben, so dass Ausgraben keinen Erfolg bringt. Herbizide funktionieren zwar, sind aber an Wasserrändern aus Naturschutzgründen verboten.

Durchwachsener Knöterich wird seit 2016 auf der Liste invasiver Pflanzen der EU geführt. Das heißt: Sie dürfen nicht in die EU eingeführt werden oder gehalten bzw. gezüchtet werden.

Berufkraut

Berufkraut

Das Einjährige Berufkraut (Erigeron annuus) stammt ursprünglich aus Nordamerika, breitet sich aber seit dem 18ten Jahrhundert fast weltweit aus.

Es wächst vor allem in feuchten Wiesen, wo die Samen sich durch den Wind ausbreiten („Pusteblume“). Es wird von Vieh nicht gefressen, so dass es sich auch auf Weiden stark ausbreiten kann.

Die Gefahr bei Berufkraut besteht vor allem durch die Verdrängung seltener einheimischer Pflanzen. Es steht nicht auf der Unionsliste invasive Arten, jedoch auf der schwarzen Liste der Schweiz.

Götterbaum

Götterbaum

Götterbäume (Ailanthus altissima) stammen ursprünglich aus China und treten seit dem 18ten Jahrhundert einen weltweiten Siegeszug an. Allerdings bevorzugen sie warmes Klima, so dass sie vor allem in Wärmeinseln zu finden sind. Neben dem Mittelmeer findet man sie vor allem in Großstädten wie Berlin, Wien und Basel.

Problematisch wird der Götterbaum da er - einmal etabliert - kaum wieder entfernt werden kann. Gefällte Bäume treiben einfach wieder aus und überstehen auch Giftbekämpfung. Zudem sät er sich auch stark aus.

Er kann sogar durch Asphalt wachsen und beschädigt so Straßen aber auch historische Gebäude. Aus diesem Grund steht er seit 2019 auf der Unionsliste für invasive Arten (EU) 2016/1141. Auch in der Schweiz und in Österreich wird er aktiv bekämpft. Zudem gilt er als eine der hundert invasivsten Arten Europas auf der DAISIE Liste.

Sommerflieder / Schmetterlingsflieder

Schmetterlingsflieder

Schmetterlingsflieder (Buddleja, vor allem Buddleja davidii) hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Ursprünglich kommt er aus subtropischen Gebieten in China und Amerika. Mit dem echten Flieder (Syringa) ist er nicht verwandt.

Aufgrund ihrer Blütenpracht, ihrem intensiven Geruch und ihrer Eigenschaft Schmetterlinge anzulocken wurden sie schon lange in der chinesischen Gartenkunst verwendet. In der Neuzeit werden sie auch in der europäischen Gartenkunst angewendet. Inzwischen existieren hunderte von Züchtungen.

Lange galt er dabei als ökologisch wertvoll, da er Schmetterlingen Nahrung bietet. So wird er auch heute noch von vielen deutschen Gärtnern beworben.

Leider breitet Buddleja sich mit 3 Millionen Samen pro Strauch massiv aus. Verwildert wächst er oft an Schotterufern von Bächen und Flüssen und verdrängt dort seltene einheimische Arten. Paradoxerweise verdrängt er dabei auch für Schmetterlinge wichtige Pflanzen und gilt daher inzwischen als schädlich für die Schmetterlingspopulation.

Schmetterlingsflieder steht nicht auf der EU-Liste und wird weiterhin als sogenannte „Bienenweide“ verkauft. Obwohl er in der Schweiz auf der schwarzen Liste steht, wird er auch dort weiterhin in Gärtnereien verkauft. Das heisst: Gärtner dürfen weiterhin ohne Strafen befürchten zu müssen Schmetterlingsflieder in ihren Garten Pflanzen. Sie müssen dann aber damit leben, mitschuld an der Verbreitung einer invasiven Art zu sein.

Riesen-Bärenklau

Riesen-Bärenklau

Anders als der einheimische Wiesen-Bärenklau kommt der eingeschleppte Riesen-Bärenklau (Heracleum giganteum) aus dem Kaukasus. Obwohl sie im 20ten Jahrhundert als Nutz- und Zierpflanze eingeführt wurde, wurden schon bald die Probleme mit dieser Riesenstaude klar.

Denn vom Bärenklau geht eine Gefahr für den Menschen aus: Sein Saft ist phototoxisch. Das heißt er reagiert mit Sonnenlicht und führt dann auf der Haut zu „Brandblasen“. Die Verletzungen durch Bärenklau-Saft sind schmerzhaft, verheilen schlecht und bilden meist Narben. Da es immer wieder zu Verletzungen von spielenden Kindern kommt, wird Riesen-Bärenklau in den Medien meist sehr emotional behandelt. Sein ökologischer Schaden ist jedoch eher gering.

Die Bekämpfung von Bärenklau ist nicht ohne Risiko. Es wird komplette Schutzkleidung mit Gesichtsschutz empfohlen. Vorkommen an öffentlichen Wegen und Plätzen meldet man am besten dem lokalen Ordnungs- oder Gesundheitsamt. Es kommen dann Experten mit Vollkörperschutzanzug und nehmen sich des Problems an.

Riesen-Bärenklau wird seit 2017 auf der Liste invasiver Pflanzen der EU geführt. Das heißt: Sie dürfen nicht in die EU eingeführt werden oder gehalten bzw. gezüchtet werden.

Traubenkraut / Ambrosia

Ambrosia

Ambrosia (Ambrosia artemisiifolia) ist in den USA weit verbreitet und wurde versehentlich als Unkraut nach Europa gebracht. Lange Zeit bildete es keine festen Bestände in Deutschland, wurde aber immer wieder durch Vogelfutter eingeschleppt. Seit den 1990ern breitet es sich in Süddeutschland immer weiter aus.

Das Problem bei Ambrosia ist seine extreme allergieauslösende Wirkung. Seine Pollen können sogar bei sonst nicht unter Allergien leidenden Menschen Attacken bis hin zu Asthmaanfällen auslösen. Da Ambrosia von Juli bis Oktober blüht verlängert er auch die Pollensaison für betroffene.

Der wichtigste Schritt zur Eindämmung von Ambrosia ist der Kauf von garantiert ambrosiafreiem Vogelfutter.

Ambrosia steht nicht auf der EU-Liste für invasive Arten. Nach Verordnung (EU) Nr. 574/2011 darf nur noch Futtermittel ohne Ambrosia importiert werden. In Deutschland und Österreich gibt es Meldestellen für Ambrosia-Funde. In der Schweiz steht es auf der schwarzen Liste, zudem gibt es eine Melde- und Bekämpfungspflicht.

Liste invasiver Arten

Art deutscher Name Herkunft Gelistet
Baccharis halimifolia Kreuzstrauch Nordamerika (EU) 2016/1141
Cabomba caroliniana Karolina-Haarnixe Nordamerika

Süddamerika

(EU) 2016/1141

Schwarze Liste Schweiz

Eichhornia crassipes Dickstielige Wasserhyazinthe Brasilien (EU) 2016/1141
Heracleum persicum Persischer Bärenklau Iran (EU) 2016/1141
Heracleum sosnowskyi Sosnowsky-Bärenklau Aserbaidschan (EU) 2016/1141
Hydrocotyle ranunculoides Großer Wassernabel Afrika (EU) 2016/1141
Lagarosiphon major Wasserpest Afrika (EU) 2016/1141
Ludwigia grandiflora Großblütiges Heusenkraut Südamerika (EU) 2016/1141

Schwarze Liste Schweiz

Ludwigia peploides Flutendes Heusenkraut Südamerika (EU) 2016/1141

Schwarze Liste Schweiz

Lysichiton americanus Stinkkohl Nordamerika (EU) 2016/1141

Beobachtungsliste Schweiz

Myriophyllum aquaticum Tausendblatt / Papageienfeder Südamerika (EU) 2016/1141

Schwarze Liste Schweiz

Parthenium hysterophorus Karottenkraut Südamerika (EU) 2016/1141
Persicaria perfoliata Durchwachsener Knöterich Asien (EU) 2016/1141
Pueraria montana Kudzu Asien (EU) 2016/1141
Alternanthera philoxeroides Alligatorkraut Südamerika (EU) 2016/1141
Asclepias syriaca Seidenpflanze Nordamerika (EU) 2016/1141

Schwarze Liste Schweiz

Elodea nuttallii Schmalblättrige Wasserpest Nordamerika (EU) 2016/1141

Schwarze Liste Schweiz

Gunnera tinctoria Mammutblatt Südamerika (EU) 2016/1141
Heracleum mantegazzianum Riesen-Bärenklau Kaukasus (EU) 2016/1141

Schwarze Liste Schweiz

Impatiens glandulifera Springkraut Indien (EU) 2016/1141

Schwarze Liste Schweiz

Microstegium vimineum Japanisches Stelzengras Asien (EU) 2016/1141
Myriophyllum heterophyllum Tausendblatt Nordamerika (EU) 2016/1141
Cenchrus setaceus Lampenputzergras Afrika (EU) 2016/1141
Acacia saligna Weidenblatt-Akazie Australien (EU) 2016/1141
Ailanthus altissima Götterbaum Asien (EU) 2016/1141

Schwarze Liste Schweiz

Andropogon virginicus blaustängelige Besensegge Nordamerika (EU) 2016/1141
Cardiospermum grandiflorum Ballonrebe Sürdamerika (EU) 2016/1141
Cortaderia jubata Purpur-Pampasgras Sürdamerika (EU) 2016/1141
Ehrharta calycina Veldtgras Afrika (EU) 2016/1141
Gymnocoronis spilanthoides Falscher Wasserfreund Südamerika (EU) 2016/1141
Humulus scandens Japanischer Hopfen Asien (EU) 2016/1141
Lespedeza cuneata Japanischer Klee Asien (EU) 2016/1141
Lygodium japonicum Japanischer Kletterfarn Asien (EU) 2016/1141
Prosopis juliflora Mesquite-Strauch Südamerika (EU) 2016/1141
Salvinia molesta Riesen-Schwimmfarn Südamerika (EU) 2016/1141
Triadica sebifera Chinesischer Talgbaum Asien (EU) 2016/1141

Bekämpfung von invasiven Pflanzen

Die Neophytenbekämpfung kann in zwei Bereiche eingeteilt werden: Vorbeugen und Eindämmen.

Bei der Vorbeugung geht es vor allem darum, keine invasiven Pflanzen einzuschleppen und auszuwildern. Es ist dafür auch von entscheidender Bedeutung das Problembewusstsein bei Gärtnern zu verankern. Leider werden immer noch Pflanzen aus dem Urlaub mitgebracht. Nicht nur ist dies aus Artenschutzgründen verboten, sondern kann eben auch zu einer unkontrollierten Ausbreitung führen.

Während manche Gärtner einen beinahe religiösen Kampf gegen den letzten Löwenzahn in ihrem Garten führen, weil diese Art sich so extrem ausbreiten kann, werden gleichzeitig Exoten vollkommen bedenkenlos als Zierpflanzen eingesetzt.

 Laut der Species Survival Commission (SSC) der IUCN sind folgende sieben Ziele anzustreben:
 - das Bewusstsein vergrößern, dass invasive Arten eine große Gefahr darstellen
 - die Vermeidung von Einschleppungen invasiver Arten als Problem mit hohem Stellenwert zu fördern, das zur Bekämpfung nationale und internationale Aktionen benötigt
 - die Zahl der unbeabsichtigten Einfuhren zu minimieren und die ungenehmigte Einfuhr invasiver Arten verhindern
 - die Versicherung, dass beabsichtigte Einfuhren gebietsfremder Arten, auch für wissenschaftliche Zwecke, genau auf ihre möglichen Auswirkungen auf die Biodiversität hin untersucht werden
 - die Förderung von Programmen und Kampagnen gegen invasive Arten und die Verbesserung derer Effektivität
 - die Förderung der nationalen und internationalen Rahmenbedingungen für nationale Gesetze und internationale Kooperationen zur Regulierung der Einschleppung invasiver Arten sowie deren Kontrolle
 - die Förderung notwendiger Forschungen und die Entwicklung und Veröffentlichung einer adäquaten Wissensbasis, um dem Problem invasiver Arten entgegenzuwirken

Die Eindämmung kommt bei der Neophytenbekämpfung dann zum Einsatz, wenn die Pflanzen sich schon verbreitet haben und zum Problem geworden sind. Wichtig für den Gärtner ist hier, dass Selbstschutz immer über Fremdschutz geht. Giftige und gefährliche Pflanzen wie der Riesenbärenklau sollten nur mit Schutzkleidung und Fachwissen beseitigt werden. Im Zweifel können die Vorkommen in jedem Fall gemeldet werden, damit Naturschutzbehörden die Beseitigung bei professionellen Dienstleistern beauftragen können.

Die genauen Maßnahmen zur Bekämpfung hängen von der Art der invasiven Pflanzen ab. Eine der gängigsten Methoden ist aber regelmäßiges Abmähen. Hierdurch wird zum einen die Samenbildung verhindert und zum anderen wird den Pflanzen Energie entzogen. Die Pflanzenreste werden üblicherweise verbrannt um das Wiederanwachsen von einzelnen Stücken zu verhindern.

Der Einsatz von Herbiziden kann teilweise zum Erfolg führen. Allerdings ist der Einsatz von Herbiziden in Naturschutzgebieten und auf versiegelten Flächen verboten. Zudem lassen sich manche invasiven Arten kaum durch gängige Herbizide abtöten.

In den meisten Fällen ist Neophytenbekämpfung eine langwierige Angelegenheit. Eine einmalige Vernichtung der Pflanzen reicht meist nicht aus. Stattdessen muss über mehrere Jahre hinweg immer wieder das Aufkommen und die Ausbreitung der invasiven Pflanzen verhindert werden. Eine vollständige Ausrottung ist meist nicht möglich – Eindämmung und Kontrolle sind die realistischen Ziele.

Gesetzliche Regelungen

Verordnung (EU) Nr. 1143/2014

Die EU-Verordnung Nr. 1143 regelt die Vorbeugung und Bekämpfung von invasiven Arten in der europäischen Union. Sie verbietet unter anderem die Einfuhr aller invasiven gebietsfremden Arten in die EU. Außerdem regelt sie die Erstellung einer Liste mit gefährlichen Arten. Diese Unionsliste invasive Arten heißt offiziell „Durchführungsverordnung (EU) 2016/1141“ und enthält aktuell 66 Arten, davon 36 Pflanzenarten.

Bundesnaturschutzgesetz

Die EU-Verordnung wurde im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) in deutsches Recht umgesetzt. Die entsprechenden Regelungen finden sich in den Paragraphen 40, 48 und 51. Verstöße gelten als Ordnungswidrigkeit.

Schwarze Liste der Schweiz

In der Schwarzen Liste der Schweiz werden alle schädlichen Neophyten aufgelistet, die bekämpft bzw. eingedämmt werden müssen. Zudem gib es noch eine Watch List für potentiell schädliche Arten.


Kritik an der Einteilung & Bekämpfung invasiver Pflanzen

Invasive Pflanzen sind ein menschengemachtes Problem und vor allem auch ein Problem für den Menschen. Die Bekämpfung von invasiven Arten kann daher auch kritisch betrachtet werden.

Biodiversität

Die Biodiversität oder biologische Vielfalt wird als Vorteil für einen Lebensraum gesehen. Sie ist sogar ein wichtiges Kriterium für die Beurteilung der Schutzwürdigkeit eines Gebietes im Naturschutz. Paradoxerweise erhöhen die bekämpften invasiven Arten aber erst einmal die Biodiversität, da es durch sie mehr Arten gibt, als zuvor. Erst langfristig kann es durch einen Verdrängungseffekt zu einer Verminderung der Artenvielfalt kommen.

Biodiversität und durchsetzungsfähige Arten können langfristig zum Erhalt eines Lebensraums beitragen. Manche einheimischen Arten sind hyperspezialisiert auf eine winzige ökologische Nische. Schon kleine Änderungen können diese Arten an den Rand des Aussterbens bringen. Dies kann zum Beispiel eine Klimaveränderung sein oder auch nur Trocken- oder Nassphasen. Pflanzen aus anderen klimatischen Zonen können mit solchen Änderungen teilweise besser umgehen und die freigewordenen ökologischen Nischen schnell besetzen. Im Extremfall kann dies Erosion und Wüstenbildung verhindern.

Durchsetzungsfähigkeit in der Evolution

Eine invasive Pflanzenart, die sich so stark ausbreitet, dass sie einheimische Pflanzen verdrängen kann, ist offensichtlich an den vorhandenen Lebensraum besser angepasst, als die vorhandenen Pflanzen. Aus evolutionsbiologischer Sicht ist die invasive Pflanze ein „Gewinner“ im Wettbewerb um Lebensraum. Und in der Natur gilt häufig: The Winner takes it all.

Langfristig gesehen entsteht dadurch auch kein ökologisches Problem. Der Evolutionsdruck wird einfach dazu führen, dass andere Arten sich anpassen. Zum Beispiel, dass Tiere die neue Pflanze als Nahrungsquelle erschließen.

Kurzfristig kann es dabei allerdings zu Instabilität und starkem Umbruch im gesamten Ökosystem kommen. Im Extremfall werden alle einheimischen Arten aussterben und ihre Nischen durch neue Arten besetzt werden.

„Büchse der Pandora“ – das unlösbare Problem

In einer globalisierten Welt mit gigantischen Warenströmen ist es in der Praxis gar nicht mehr möglich die Verbreitung aller Neophyten zu kontrollieren. Während man eine Art auf eine Liste setzt und bekämpft siedeln sich schon 10 weitere Arten unbemerkt an.

Zudem verbreitet der Mensch aktiv Neobioten als Nutzpflanzen. Ein Beispiel hierfür ist der relativ aktuelle globale Anbau von Avocados. Dabei werden ökologische Folgen für die einheimischen Biotope meist dem Nutzwert untergeordnet.

Zu glauben, man könnte eine einheimische Pflanzenwelt erhalten, so wie sie vor 1492 existiert hat ist vollkommen illusorisch und eine Sisiphusaufgabe.

Argumente für die Bekämpfung invasiver Pflanzen

Für die Neophytenbekämpfung spricht in jedem Fall der Schutz gefährdeter Biotope. Diese sollten vor jedem äußeren Einfluss geschützt werden, um sie zu erhalten. Und dazu gehören auch Pflanzen, die das ökologische Gleichgewicht stören können.

Auch bei Pflanzen mit konkretem Schaden für Mensch und Tier, wie Ambrosia und Riesenbärenklau, ist es naheliegend, warum sie kontrolliert und eingedämmt werden sollten. Es nicht zu tun könnte im schlimmsten Fall zu erheblichen gesundheitlichen Schäden führen.

Allgemein kann man sagen: Auch wenn wir Neobioten nie wieder komplett loswerden, müssen wir das Problem nicht auch noch unnötig schlimmer machen. Der Kampf gegen invasive Arten sollte nicht um jeden Preis geführt werden, aber dort wo es sinnvoll und naheliegend ist sollte das Problem eingedämmt werden, soweit es möglich ist.

Weblinks