Generatives Wachstum

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Lavendelblüten

Generatives Wachstum bezeichnet die Ausbildung von Geschlechtsmerkmalen bei Pflanzen. Dies können Blüten und Samen bzw. Früchte sein, aber auch Blütenstängel und andere Pflanzenteile, die hauptsächlich der Vermehrung dienen. Je nach Pflanze ist das generative Wachstum mehr oder weniger klar vom vegetativen Wachstum abgegrenzt.

Merkmale von generativem Wachstum

Zeitraffer der Blütenbildung

Da das generative Wachstum die geschlechtliche Vermehrung der Pflanzen einleitet, ist sein deutlichstes Merkmal die Bildung von Geschlechtsorganen wie Blüten oder Sporenträger.

Häufig ist die hormonelle Umstellung der Pflanze jedoch schon deutlich früher zu erkennen. Viele Pflanzen bilden schon vor der Blüte einen Spross oder Stil aus, der die Blüte tragen wird. Manche Farne bilden spezielle Sporenwedel aus, andere Pflanzen verändern ihre Wuchsform. Das Strecken der Pflanze vor der Blütenbildung nennt man dabei schossen. Am bekanntesten ist dieses Verhalten beim Salat.

Vor allem bei zweijährigen Pflanzen kommt es zu komplett unterschiedlichen Wuchsformen bei Eintritt in die generative Phase im zweiten Jahr. Beispiele hierfür können die Karotte und der Fingerhut sein.

Bei vielen Pflanzen kommt es währende der generativen Phase zu einer Stagnation des vegetativen Wachstums. Das heißt, nicht geschlechtliche Pflanzenteile wachsen in dieser Zeit kaum und die Blattmasse nimmt nicht zu.

Auslöser für generatives Wachstum

Es gibt verschiedene äußere und innere Faktoren, die eine hormonelle Umstellung zur generativen Vermehrung auslösen können. Dabei reagieren unterschiedliche Pflanzen unterschiedlich stark auf die Einflüsse. Außerdem können Faktoren qualitativ oder quantitativ wirken. Ein qualitativer Faktor wirkt dabei wie ein Schalter, der die Blütenbildung bei einem gewissen Schwellenwert einschaltet. Ein quantitativer Faktor hat keinen Einfluss darauf, ob die Pflanze blüht, sondern unterstützt die Blütenbildung.

Ist die geschlechtliche Entwicklung einmal ausgelöst, lässt sie sich nicht mehr stoppen oder umkehren. Sie endet erst mit Ausreifen der Samen. Viele Pflanzen blühen daher ein zweites Mal, wenn vor der Samenreife die Blütenstände abgeschnitten werden.

Alter als Auslöser

Einer der inneren Auslöser für die generative Phase kann das Alter der Pflanze sein. Ausgeprägt ist dieses Verhalten z.B. bei Erbsen welche weitestgehend unabhängig von äußeren Einflüssen ab einem bestimmten Alter zu blühen beginnen.

Bei anderen Pflanzen muss ein Mindestalter (Geschlechtsreife) für die Blüte erreicht sein, die dann jedoch wieder von äußeren Einflüssen bestimmt werden kann. So benötigen manche Obstbäume ein Mindestalter vor der ersten Blüte.

Auch die Größe einer Pflanze kann für die Hormonumstellung ausschlaggebend sein. So kann z.B. das Erreichen einer Mindestanzahl an Wachstumsabschnitte (Internodien) die Blütenbildung auslösen.

Licht als Auslöser

Viele Pflanzen blühen abhängig von der Tageslänge. Dies wird als Photoperiodismus bezeichnet. Dieses Verhalten ist genetisch bedingt und wird vererbt. Das Verhalten unterscheidet sich dabei stark je nach Pflanzenart. Teilweise reicht schon ein einzelner Tag mit passender Tageslänge um die Blüte auszulösen. Andere Pflanzen benötigen 25 aufeinander folgende Tage zur hormonellen Umstellung. Auch die Lichtempfindlichkeit unterscheidet sich stark. Bei bestimmten Pflanzen kann schon eine helle Vollmondnacht ausreichen, damit ein kurzer Tag von der Pflanze als lang wahrgenommen wird.

Umgangssprachlich unterscheidet man hierbei zwischen Kurztagpflanzen, Langtagpflanzen und tagneutralen Pflanzen. Wissenschaftlich gesehen ist aber nicht die Länge des Tages (Hell-Periode), sondern die Länge der Nacht (Dunkel-Periode) Auslöser des Entwicklungsprozesses.

Kurztagpflanzen blühen wenn die Tage kürzer werden und eine gewisse Länge unterschreiten und sind meist Herbstblüher. Langtagpflanzen verhalten sich den Kurztagpflanzen entgegengesetzt und blühen, wenn die Tage eine gewisse Länge überschreiten und sind meist Sommerblüher. Bei tagneutralen Pflanzen hat die Tageslänge keinen Einfluss auf die Blütenbildung.

Die ökologische Bedeutung dieser Steuerung nach Tageslänge liegt darin, den optimalen Zeitpunkt für die Blüte der Pflanze auszunutzen. In mitteleuropäischen Breiten ist vor allem der Jahreszeiteinwechsel eine Ursache hierfür, in anderen Regionen können aber auch Trocken- und Regenzeiten den Ausschlag geben. Die Pflanze benötigt ausreichend Wasser, Wärme und Sonnenlicht um Samen bilden zu können. Blüht sie später im Jahr hat sie mehr gespeicherte Nährstoffe zur Verfügung, muss aber die Samen sicher noch vor Wintereinbruch ausreifen. Evolutionär haben Pflanzen mit einer perfekten Steuerung ihrer Blüte daher einen großen Vorteil.

Die Photoperiode kann sowohl ein qualitativer als auch ein quantitativer Faktor sein. Manche Pflanzen blühen sogar bei Dauerlicht, bilden jedoch an kurzen Tagen deutlich mehr Blüten und werden somit quantitativ durch die Beleuchtungsdauer gesteuert.

Arten von Photoperiodismus
Gruppe Bedingungen Pflanzenbeispiele
Kurztagpflanze Tagslänge wir unterschritten

(bzw. Nachtlänge wird überschritten)

  • Dendranthema x grandiflorum (Herbstastern, Blüte ab Oktober)
  • Euphorbia pulcherrima (Weihnachtssterne, Blüte ab November)
  • Kalanchoe blossfeldiana (Flammendes Käthchen, Blüte ab November)
Herbstastern
Langtagpflanze Tagslänge wir überschritten

(bzw. Nachtlänge wird unterschritten)

  • Fuchsia Hybriden (Fuchsien, Blüte ab Juni)
  • Callistephus chinensis (Sommerasten, Blüte ab Juli)
  • Delphinium Hybriden (Rittersporn, Blüte ab Juni)
Rittersporn
Kurz-Langtagpflanze Wechsel von kurzen zu langen Tagen
  • Campanula medium (Marien-Glockenblume, Blüte Mai bis Juli)
  • Pelargonium grandiflorum (Edelgeranien, Blüte Mai bis September)
Marien-Glockenblume
Lang-Kurztagpflanze Wechsel von langen zu kurzen Tagen
  • Kalanchoe laxiflora
Kalanchoe
Tagneutrale Pflanze nicht Photoperiodisch
  • Cyclamen persicum (Alpenveilchen, Blüte ab dem Erscheinen des siebten Laubblattes)
  • Hibiscus rosa-sinensis (Hibiskus, Blüht ganzjährig bei Zimmerkultur)
  • Saintpaulia ionantha (Usambaraveilchen, ganzjährige Blüte möglich)
Hibiskus

Temperatur als Auslöser

Die Temperatur löst das generative Wachstum vor allem durch Kälteperioden aus. Viele mehrjährige Pflanzen blühen erst nach einer längeren Kältephase, um so eine Blühte im oder vor einem Winter zu vermeiden. Diesen Prozess nennt man Vernalisation.

Die Kälte löst dabei einen inneren Prozess der Pflanze aus, der aber nicht unmittelbar sichtbar werden muss. So kann die Blühte auch längere Zeit nach Ende der Kälteperiode liegen. Die Pflanze "erinnert" sich sozusagen an die erlebten Temperaturen. Auch können noch zusätzliche Auslöser notwendig sein um die Blühinduktion vollständig auszulösen.

Mangel als Auslöser

Ein starker Mangel kann bei Pflanzen eine sogenannte Notblüte auslösen. Dies kann durch Trockenheit, Nährstoffmangel oder Schädlingsbefall geschehen. Dieses Notfallprogramm soll das Überleben der Art sichern, da Samen sehr gut geeignet sind um Mangelphasen zu überdauern.

Für unerfahrene Gärtner kann ein solches Verhalten schwer zu erkennen sein, da blühende Pflanzen generell als stark und gesund angesehen werden. Dies führt häufig zum Verschleppen der Rettungsmaßnahmen und verschlimmert das Problem daher weiter. Ungewöhnliche Blütezeiten und das Blühen von schwachen, kleinen und kränklichen Pflanzen sollten daher immer als Warnsignal gesehen werden und Anlass zur Untersuchung der betroffenen Pflanzen geben.

→ Siehe auch Hauptartikel: Notblüte

Bedeutung von generativem Wachstum

Bedeutung für die Pflanze

Für die Pflanze ist die Fortpflanzung das Ziel ihrer Existenz. Das generative Wachstum leitet damit die wichtigste Phase in ihrem Leben ein.

Allerdings müssen für die Blüten- und Samenbildung viel Energie und Nährstoffe aufgewendet werden. Dies macht die Pflanze in dieser Zeit tendenziell anfälliger für Krankheiten, Schädlinge und Schäden. Werden Pflanzen immer wieder zur Blüte getrieben, zum Beispiel durch einen Remontierschnitt oder durch künstliche Beleuchtung, kann dies die Reserven der Pflanze aufbrauchen und sie nachhaltig schädigen.

Bedeutung für den Gärtner

Für den Gärtner ist es wichtig, bei seinen Pflanzen die verschiedenen Lebensstadien sicher zu erkennen, da sich hiernach die notwendigen Arbeiten richten.

Entscheidenden Einfluss hat dies unter anderem auf die Pflanzenernährung: Wird für das vegetative Wachstum vor allem Stickstoff benötigt, so ist für die Blütenbildung Phosphor entscheidend. Zusätzlich muss für ausreichend Calcium und Schwefel gesorgt werden. Ist der Wechsel zum geschlechtlichen Wachstum zu erkennen oder zeitlich zu erwarten, muss der Gärtner die Versorgung der Pflanzen durch entsprechende Dünger sicherstellen, oder besser noch durchgehend für eine ausgeglichene Pflanzenernährung sorgen.

Viele Arbeiten sollten an Pflanzen innerhalb der generativen Phase nicht vorgenommen werden. Diese Phase kann dabei schon deutlich vor der eigentlichen Blüte beginnen. Da alle Wachstumsprozesse der Pflanze in dieser Zeit auf die Fortpflanzung ausgerichtet sind, können Verletzungen nur schlecht bzw. deutlich langsamer heilen. Rückschnitt, Umtopfen und Umpflanzen, das Verletzen der Wurzeln, wie z.B. durch Bodenlockerung, und vegetative Vermehrung sind in dieser Zeit nicht ratsam. Stattdessen sollte vermehrt auf möglichen Schädlingsbefall geachtet werden.

Ansonsten bleibt dem Gärtner nur, sich an den Blüten seiner Schätze zu erfreuen.

Siehe auch

Weblinks

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